Kaum ein anderes Label steht mehr für die Anfänge der modernen Computerspielindustrie. Mindestens zwei Generationen „Gamer“ bekommen beim Klang des Wortes nostalgische Gefühle. Auch die Jüngeren kennen das Logo – es hat sich bis heute als starke Marke gehalten.

Syzygy statt Atari

Nur weil der mathematische Fachbegriff Syzygy schon besetzt war, nannten die Gründer Nolan Bushnell und Ted Dabney 1972 ihre Firma Atari. Was beim chinesischen Brettspiel Go soviel wie „Treffer“ bedeutet.
Der Durchbruch kam mit PONG! 2D Tischtennis am Spielautomaten. Aber ein Knaller! Es ist noch immer 1972, wir leben noch in einer Welt ohne Handys und PCs – Konsolen gibt es nicht … selbst Packman wird erst in acht Jahren geboren.
Atari entwickelte bedeutende Hardware und Spiele. Aus Spielautomaten wurde 1975 Pong als erste Heimkonsole überhaupt entwickelt. 1977 die erste Spielkonole mit Spieletauschmöglichkeit – die Atari 2600 VCS.
Ab 1979 auch Heimcomputer wie der Atari ST. Beides Meilensteine der verspielten Computerisierung des Menschen. Atari steht für legendäre Spieletitel: Pong, Asteroids, Breakout, E.T.(Megaflop!), Lunar Lander, Missele Command sind einige in einer langen Liste. 1983 dann das erste Spiel mit Sprachausgabe: Star Wars.
Atari steht aber auch für eine Achterbahnfahrt in der Wirtschaftsgeschichte.

Die Welt am Spieltrieb gepackt und doch verloren

Anfang der 1980er Jahre beherrschten Ataris Spiele und Hardware 80% des Computerspielmarktes – heute unvorstellbar. Da gehörte Atari aber schon nicht mehr sich selbst. 1976 verschlang die Entwicklung der Spielkonsole 2600 VCS soviel Geld, dass sich Atari für 28 Millionen Dollar an Warner Communications (ab 1990: Time Warner) verkaufte. Ein guter Deal: 1982 trug Atari etwa die Hälfte des Umsatzes (2,9 Mrd. $) und zwei Drittel des Gewinns (481 Mil. $) zum Konzernergebnis bei.
Doch der neue Eigner hatte auch neue Eigenarten. Wegen Unstimmigkeiten verließ Nolan Bushnell Atari 1978. 1979 verlor Atari vier Spieleentwickler. Sie gründeten Activision. 1981 folgte der Abgang des Chefs der Computerabteilung – Jay Miner gründete die Firma Amiga. Diesen kreativen Aderlass verkraftete das Unternehmen in der kommenden Krise nicht mehr. Der Videospiele-Markt brach ein. Atari machte 1983 einen operativen Verlust von 536 Millionen Dollar. Ein Börsenskandal erledigte den Rest. Damit war der Weg frei für Jack Tramiel. Der Gründer von Commodore kaufte 1984 die Computersparte von Atari. Der Erfolg des Atari ST begann: Beliebt vor allem in der Musikproduktion, da er der erste Computer mit MIDI-Schnittstelle war. Durch Qualitätsprobleme und fraglicher Entscheidungen der Geschäftsführung endete auch dieser Erfolg 1996. Diesmal endgültig. Nach einer Fusion mit JT Storage wurden sämtliche Firmenaktivitäten eingestellt. Atari-Hardware ist ab jetzt Geschichte.

Der lange Marsch der Marke

Die Spiele-Abteilung Ataris verblieb 1984 bei Warner unter dem Namen Atari Games. Wurde 1998 in Midway Games West umbenannt und 2003 endgültig aufgelöst. 1998 kaufte Hasbro Interactive für fünf Millionen Dollar alle verbliebenen Rechte an Atarispielen auf. Als Atari Interactive veröffentlicht Haspro damit alte und neue Atarispiele. Jetzt wird’s global: 2001 kauft der französische Konzern Infogrames die gesamte Computerspiel-Sparte von Haspro. Auch die Markenrechte an Atari. Anfangs fasste Infogrames seine gesamte Spieleproduktion unter dem Label Atari zusammen (Spiele u.a.: Sid Meier’s CIV und Pirates, Baldurs Gate, Shadow Ops, Neverwinter Nights, …). Ab 2009 nannte sich der ganze Konzern dann Atari SA. – hat ihm aber auch kein Glück gebracht. 2013 meldete Atari SA Insolvenz an. Die US-Tochter Atari Inc. steht unter Gläubigerschutz. Es könnte also gut sein, dass bald der nächste Konzern seine Computerspiel-Sparte mit dem geschichtsträchtigen Namen schmückt.

Die unterschiedlichen Inhalte, die das Atari Label im Laufe seiner Geschichte beinhaltet und verkörpert hat, erklären auch seine große Fangemeinschaft. Jeder der sich seit 1972 für Video- oder Computerspiele interessiert, hat in irgendeiner Weise seine Erfahrung mit einem Atariprodukt gemacht. Dazu kommt der Pionierbonus der frühen Tage und die Tatsache, dass viele, die bei Atari (von 1972) ausgestiegen sind, ihrerseits erfolgreiche Computer- und Spielefirmen gegründet haben. In jeder steckt gerade soviel „Atari“, dass es für Legenden reicht.

Facts for Fun

  • Auch Steve Jobs arbeitete 1974 einige Monate bei Atari.
  • PONG gab es ab 1975 auch als erste Heimkonsole überhaupt.